Sommerferien Teil 2

Januar 18, 2009 by nadinee

Die erste Woche verbrachten wir also in Nature’s Valley.

Für unseren ersten Ausflug tauschten wir allerdings die Hiking- Schuhe gegen die Flip Flops ein. Auf Empfehlung von Craig, dem gestrandeten Volunteer und unerschrockenen Wildnisliebhaber, machten wir uns auf das nahe gelegene Plettenberg Bay zu erkunden und dort einem Drum Circle beizuwohnen. Drum Circles sind eine beliebte Sache hier in Südafrika. In der Regel funktionieren sie so, dass ein paar Einheimische und Hippies, die es gerne wären, ihre Trommeln abstauben und sich irgendwo wo’ s gerade passt um ein Feuer scharen. In diesem Falle am Strand von Plettenberg Bay. Viel zu erkunden gab es an diesem Abend aber nicht. Das Feuer reichte nur ein paar Meter weit, der Rest von Plettenberg Bay lag im tiefen Schwarz der Nacht. Wir trommelten also ein bisschen und entschieden uns dann lieber am nächsten Morgen wieder zu kommen, wenn man wirklich etwas sieht. Am nächsten Tag stellten wir aber alsbald fest, solange man nicht auf das Meer hinausschaut, steht Pb Bay die Nacht besser. Der große Parkplatz den wir gestern Nacht noch so vorteilhaft gefunden hatten, entpuppte sich nämlich als Betonvorplatz für einen ausgesprochen hässlichen viereckigen Hotelklotz, der den einzigen Zugang zum städtischen Strandteil zierte. Gott sei Dank hielt dieser kleine Missstand nicht die Sonne davon ab, munter auf uns nieder zu brennen und auch nicht das Meer herrlich erfrischend zu sein. Wir verbrachten den Vormittag daher mit Sonnen- und Meerbaden, Frisbee spielen und faulenzen – herrlich. Am Nachmittag trafen wir im Wild Spirit auf Tom, einem unternehmungslustigen Niederländer, der sich das Dorm mit uns teilte. (Neben zwei Musikern aus Cape Town, die nach einer offensichtlich äußerst anstrengende Studio Session hier Entspannung suchten und daher meistens betrunken waren. Aber ausgesprochen freundliche und herzliche Gesellen, solange sie nicht anfingen zu singen. Gelegentlich habe ich nur darauf gewartet, dass die Hunde mit ins Gejaule einsteigen würden. Vielleicht waren sie zu sehr beschäftigt sich die Ohren zu zuhalten.) Wir beschlossen gemeinsam einen kleinen Hike zum nahe gelegenen Wasserfall zu starten, dessen Wanderpfad seinen Anfang direkt am Fuße der Bar hatte. Nach so viel erfrischenden Bädern in kühlem Nass, beschlossen wir auf dem Rückweg vom Wasserfall am nächsten Tag mal ein bisschen pro aktiver zu sein und buchten für 7 Uhr morgens eine Canopy Tour.

Na ja, um ehrlich zu sein war das die einzige Tour, die noch freie Plätze hatte. Eine Canopy Tour ist übrigens eine tarzanmäßige Rutschpartie entlang so genannten Foofie Slides (in Südafrika) oder auch Cable Slides (in allen anderen englischsprachigen Ländern der Welt:). Sprich eingepackt in ein umfangreiches Gestrüpp aus Haltegurten und dann befestigt an einem Stahlseil gleitet, rutscht oder rauscht man durch die Baumwipfel des Tsitsikamma Forests. Um 6. 30 Uhr, ohne Frühstück oder einer Ahnung was uns erwartet machten wir uns also auf dem Weg. Zwischen Stormsriver und Plettenberg Bay existiert übrigens eine Zollschranke, bei der man für jede Überquerung 11, 50 Rand blechen muss. Für wie unnötig wir diese Schranke hielten, dämmerte uns aber erst als wir auf den Parkplatz des Tsitsikamma Canopy Tour Base Camps einbogen und etwa 50 Meter weiter rechts das Eingangsschild zu unserem nächsten Backpacker-Halt entdeckten. Dem Backpacker an dem wir eigentlich an diesem Abend einchecken wollten. Aber keine Zeit für Ärgerlichkeiten, wir waren schließlich schon 20 Minuten zu spät…Und so schwangen wir uns fröhlich die nächsten 1,5 Stunden von Outeniqua Yellowwood zu Yellowwood. Mit uns auf die Reise durch die Wipfel der Baumriesen ging eine fünfköpfige Afrikaans-Familie, deren ältester Sohn irgendwas mit Wildnishüterei studiert und mehr zu wissen schien über die uns umgebene Natur als unsere eigentlichen Tour-Guides. Gegen die es dennoch keine Einwände zu erheben gibt, zwei ausgesprochen sympathische Herren, denen unsere Sicherheit sehr am Herzen lag. Ihnen war es am Ende auch zu verdanken, dass wir nach dem Ganzen einhaken, sliden, um- und aushaken sicher im hauseigenen Restaurant zum Frühstück landeten – noch bevor es einen von uns am Hunger dahinraffte. Schmeckt hervorragend so ein Cheeseburger um 9 Uhr in der Frühe…Südafrikaner lieben ihr Fleisch! Zähneknirschend bezahlten wir dann auf dem Rückweg zum Wild Spirit abermals 11,50 an der Zollschranke. Und weil der Tag noch so jung und frisch erschien streiften wir mutig und gestärkt endlich unsere Hikingschuhe über und machten uns daran entlang des Salt River Wanderweges Nature’s Valley zu erwandern. Craig gab uns dafür eine eigens gemalte Karte. Ein sehr liebevoll gezeichnetes Stück Kunst! Was uns aber nicht davon abhielt und einmal hoffnungslos zu verlaufen… Was dazu führte, dass aus dem 5 Stunden Hike 7 Stunden wurden und Jess sich den Knöchel verstauchte. Wobei ich diesen kleinen Unfall zunächst vollkommen falsch interpretierte. Kaum das wir gemerkt hatten, dass wir ein wenig fehlgeleitet waren drehten wir um und eilten den Weg zurück. Voran laufend drehte ich mich nach einigen Metern um, um zu sehen ob die anderen hinterherkommen und da lag Jess mit ausgestrecktem Bein auf dem Boden und dehnte sich. Dachte ich zumindest – Weswegen ich irritiert fragte ob das jetzt unbedingt nötig sei und warum sie sich dafür ausgerechnet in einen Feuerameisenhaufen setzen musste. Ach ja, wenn Blicke töten könnten. Natürlich kamen wir abends viel zu spät am Backpacker an um noch einmal den Weg nach Stormsriver zu machen und so blieben wir eine weitere Nacht im Wild Spirit. Sehr zur Freude von Craig, der offensichtlich ein Auge auf Jess geworfen hatte. Was wiederum Unmut bei Tom, dem Niederländer, hervorrief, der seine Felle schwimmen sah… Katie und Ich ignorierte diese Liebeleien aber gefließentlich und machten es uns am Feuer mit dem wohlverdienten Bier gemütlich. Mit uns die Hitze teilten sich Joe und Rob. Joe und Rob sind Ende Dreißig, ein Südafrikaner und ein Kanadier, die beide als professionelle Fallschirm-Instructoren in den Staaten arbeiten und Base Jumpen zu ihren Hobbies zählen. Sie luden uns ein am nächsten Morgen um 8 Uhr (hört sich nicht nach Urlaub an was;) ihrem Sprung von der Bloukrans Bridge beizuwohnen. Das ließen wir uns natürlich nicht zweimal fragen, hatten wir doch selber noch eine Verabredung mit dieser Brücke… Aber seht am besten selbst!

Das war ein Abenteuer!

Eine Stunde später waren auch Rob und Jo wieder oben auf. Ein bißchen verschwitzt, aber unversehrt… Normalerweise landet ja niemand, der von der Brücke springt, ganz unten. Darum gibt es nur einen kleinen, sehr steilen Trampelpfad, der vom Fluß nach oben zum Base Camp führt. 2 Stunden eine steile Wand hochkratzel für 4 Sekunden freier Fall – klingt nach einem sehr erfüllenden Hobby:)

Wir gönnten uns alle dann erstmal ein ordentliches Frühtück. Und weil das eigentlich genug Adrenalin für einen Tag war, beschlossen wir gemeinsamt den Rest des Tages am Strand zu Faulenzen – mit einem Fläschen Wein und ein paar Crackern.

Am Abend checkten wir dann wirklich im neuen Backpacker ein. Dem Tube’ n Axe in Stormsriver, gleich neben der Canopy Tour. Gegenüber dem Wild Spirit ist das Tube’n Axe eine echte Partylocation, mit dem Dorm direkt neben der Bar, damit auch gar keiner auf die Idee kommt zu schlafen… Und weil es die einzige Bar im Dorf ist, ist sie ausserdem magischer Anziehungspunkt für alle anderen hier lebenden Menschen unter 30 Jahre. So auch die gesamte Crew vom Face Adrenalin, die uns daher an diesem Tag zum zweiten Mal über den Weg liefen… Es wurde ein ausgesprochen lustiger Abend: Kate und Jess nahmen (relativ) erfolglos beim Beer-Pong teil (Bier-Tischtennis). Ich sage relativ, weil wenigstens für 2 Euro der Pegel stimmte nach nur einer Stunde:) Was das Kickern und Pool spielen irgendwie viel lustiger machte… Zu später Stunde kam irgendwie auch noch blaue Farbe mit ins Spiel, die dazu führte, dass einer der Jungs vom Bungee als Schlumpf endete. Entkleidet bis auf die Unterhose und dann von Kopf bis Fuß mit blauer Farbe beschmiert… Irgenwie landete ein bißchen von der Farbe auch in meinem Gesicht und an meiner Jacke. Als ich am nächsten Morgen aufwachte, musste ich 20 (!) Minuten mein Gesicht schruppen um drei Streifen los zu werden… Auf meiner Jacke entpuppte sich die Farbe allerdings als permanent – habe ich erwähnt, dass der arme Kerl sich bevor er die Bar verließ seine weißen Sachen wieder überstreifte?!

Wir verbrachten noch eine weitere Nacht im Tube’nAxe bevor auch schon die erste Woche rum war und wir das Nature’s Valley hinter uns ließen. Aber dazu ein anderes Mal mehr…

Sommerferien Teil 1

Januar 11, 2009 by nadinee

Nach über einem Monat Funkstille aus dem Süden, keinen Weihnachtsgrüßen oder Neujahrswünschen bin ich euch wohl eine Erklärung schuldig was ich in der ganzen Zeit so getrieben habe. Nun denn, hier kommt daher die Geschichte meiner südafrikanischen Sommerferien.

Die Schulen waren die ersten die Anfang Dezember die große Sommerpause einläuteten und nur wenige Tage später folgte (beinahe) ganz Südafrika dem Ruf nach Urlaub. Mit dem 16. Dezember (einem nationalen Feiertag für, ich weiß leider nicht was) schlossen die letzten großen Firmen ihren Hauptbetrieb – die Büros verwaisten, die Telefone blieben unbeantwortet. Perfekter Zeitpunkt also um auch bei WhizzKids United mal ein Päuschen einzulegen.

Markus machte Urlaub mit seiner Verlobten, Paul nutze das erste Flugzeug um seine Freundin in den Staaten zu besuchen, Elias startete einen Rundreise quer durch Südafrika wahlweise begleitet von seiner Freundin oder einem extra angereisten Freund und Tom bekam Besuch von seinem älteren Bruder. Nur ich hatte keine Ahnung was zu tun über die bevorstehenden Feiertage, bis… Ja bis ich auf Katie und Jessica traf, zwei Arbeitskolleginnen meiner Mitbewohnerin Victoria.

Gemeinsam starteten wir einen epischen Backpacker – Road Trip entlang Südafrikas Küste… Unser Ziel war die Wild Coast rund 1000 Kilometer entlang der Küste in Richtung Cape Town. Und von dort sollte es in mehreren Stop Overs langsam wieder gen Norden gehen…

Gott sei Dank sind Pläne ja anpassbar, denn bereits am ersten Tag veranlasste unser neu gewonnenes afrikanisches Zeitgefühl eine Verschiebung des Abfahrtszeitpunktes um gute 6 (!) Stunden. Weshalb wir anstelle unsere erste Nacht in Nature’s Valley zu verbringen auf halber Strecke im Sugar Shack in East London landeten.
East London ist wahrscheinlich einer der langweiligsten Orte in ganz Südafrika, es sei denn man ist leidenschaftlicher Profi-Surfer oder man trifft auf Richard. Richard ist professioneller Drummer und hat gleich in der ersten Sekunde unseres Aufeinandertreffens sein Herz für Jess entdeckt.

Bevor ich fortfahre sollte ich vielleicht noch schnell ein paar Worte über meine Mitreisenden verlieren. Jess ist gebürtige Amerikanerin, lebte und studierte aber die letzten Jahre in Oxford. Nach ihrer Zeit in Südafrika will sie an eine Medical School um Ärztin zu werden. Sie ist außerdem leidenschaftliche Tänzerin und Yogaistin, was sie dazu veranlasst sich in jeder passenden oder unpassenden Situation zu Stretchen. Und sie ist sehr (!) amerikanisch: Laut, lustig, dramatisch und sehr herzlich. Plus sie kann gut kochen.

Katie ist ebenfalls Amerikanerin und karrieretechnisch auf dem Weg Ärztin zu werden. Sie ist amerikanisch, aber nicht im selben Sinne wie Jess. Weniger Drama! Sie ist schlank, natürlich, unkompliziert und ein bisschen dorky. Sie kann nicht kochen, dafür aber gut trinken! Sprich, die perfekten Mitreisenden!

Aber zurück zu Richard. Auf der Suche nach Frühstück am nächsten Morgen sind wir in ihn und seine Drums hineingelaufen und wurden sogleich eingeladen einen kostenlosen Trommelkurs zu absolvieren. Da keine Eile zur Weiterfahrt bestand und Jess als Hauptfahrer und Autobesitzerin schon immer Drum spielen lernen wollte, ließen wir Frühstück Frühstück sein und trommelten uns also durch den Morgen.

Eventuell am frühen Nachmittag hatten wir dann genug getrommelt und waren wirklich hungrig und beschlossen endlich weiter zu fahren.

Mit einem Tag Verspätung und schmerzenden Händen erreichten wir also zum Abend hin das Wild Spirit Backpackers in Nature’s Valley. Vom ersten Augenblick an verliebten wir uns in diesen magischen Ort. Ein Blockhaus schmiegt sich nahtlos in ein Waldgebiet ein und bildet mit einem großen Feuerplatz und einer offenen Bar/Rezeption den Mittelpunkt der Kommune. Von hier aus kann man einen umwerfenden Blick genießen mit dem Tal direkt zu seinen Füßen. Die Besitzer, eine vierköpfige Familie und ein Gestrandeter Volunteer leben in einer alten Villa gleich neben an. Die Dorms liegen verstreut in den Bäumen und sind ausgestattet mit Einzelbetten und haben alle eine eigene Terrasse/Balkon.

Es war der perfekte Ort für Ferien. Wir konnten es kaum erwarten unsere Hiking-Schuhe überzustreifen und dann nach einer langen Wanderung hierher zurück zu kehren und unser erstes kühles Bier unter dem Sternenhimmel zu genießen! Aber dazu später mehr…


Wenn negativ positiv ist

Januar 11, 2009 by nadinee

Kurz vor Beginn der Sommerferien (ja richtig gelesen SOMMERFERIEN!) organisierte WhizzKids ein HIV Testing für die Kinder in unserem Jugendzentrum in Lamontville.

Bei WhizzKids United dreht sich nämlich vieles, aber nicht alles nur um den Fußball. Einer unsere Programm-Eckpfeiler, (der bisher aber nur auf dem Papier existierte) ist die zum Beispiel Einbettung von so genannten Teen Clinics.

Mit den Teen Clinics wollen wir Einrichtungen schaffen, die speziell auf Kinder ausgelegt sind. Eine Art Jugendzentrum/Klinik innerhalb der Kommunen, mit speziell ausgebildetem Personal.

Der Gedanke dahinter ist eine Atmosphäre zu schaffen in der sich Kinder testen lassen können, altersgerecht behandelt werden und immer einen Ansprechpartner finden. Und zwar im Notfall auch ohne ihre Eltern!

Im Februar beginnt der Bau der ersten Teen Clinic in Edendale. In Durban/ Lamontville ist bisher aber noch keine Clinic geplant. Da wir aber mit dem Jugendzentrum zumindest eine Einrichtung haben, die den Kindern bekannt ist und leicht für sie zu erreichen. Wollen wir zumindest regelmäßige medizinische Beratung und Betreuung anbieten in Zukunft.

Event-Manager für unser erstes HIV-Testing war Elias. Er verbrachte ungefähr eineinhalb Monate damit eine geeignete Partnerorganisation zu finden, die gewillt ist eine Krankenschwester plus Counsellors zur Verfügung zu stellen. Die erste Organisation tauchte einfach nicht auf zum vereinbarten Termin und die Zweite erklärte, dass die Counsellors vom Staat angestellt sind und nach 15 Uhr nicht mehr arbeiten würden. Aber aller guten Dinge sind drei und daher fand Elias dann im dritten Anlauf eine verantwortungsbewusste und verlässliche Organisation mit dem schönen Namen HOPE. Aber jemanden finden der ausgebildetes Personal stellen kann, war nur der erste Schritt. Der Zweite ist, die Eltern zu informieren und dazu zu bringen, dass sie ihren Kindern erlauben sich testen zu lassen. DAS ist die wirkliche Hürde.

Mit 14 Jahren sind die Kinder rechtlich gesehen zwar alt genug selbst zu entscheiden, dennoch ist es riskant für unseren Ruf und die Mitarbeit der Kommune, wenn wir Kinder gegen den Willen ihrer Eltern testen.

Die Vorbehalte gegen einen Test sind zahlreich. Nach wie vor ist HIV ein schweres Stigma hier in Südafrika, insbesondere innerhalb der Townships. Darum leben viele Menschen hier nach dem Sprichwort „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß“.

Dabei sollte sich eigentlich jeder Erwachsene alle drei Monate testen lassen. Für Kinder gibt es keine Regelung, aber einmal in einem halben Jahr ist vernünftig.

Denn die Infektionsrate von Kindern in KwaZulu- Natal ist die höchste in der Welt. Und das obwohl die meisten Kinder mit denen wir arbeiten grundsätzlich noch kein aktives Sexleben auf eigener Entscheidung haben. Wenn die Kinder nicht bei der Geburt durch die Mutter infiziert werden, passiert es häufig durch Vergewaltigung. Nach wie vor herrscht hier nämlich der Aberglaube vor, dass Sex mit einer Jungfrau einen Mann von HIV heilen kann. Und selbst danach schaffen Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit, Alkohol und Drogen eine Atmosphäre in der häusliche Gewalt nicht selten ist. Ich gestehe, dass ich diese Informationen nicht von den Kindern selber habe. Wir bekommen sie von den regelmäßigen Berichten unabhängiger Organisationen die in diesem Feld recherchieren.

Um ehrlich zu sein ist es schwer die Kinder hier zum reden zu bringen. Es ist nicht Teil ihrer Erziehung. Zum Beispiel in der Schule: 90% der Schulzeit verbringen Kinder mit Abschreiben von der Tafel. Werden sie doch mal aufgefodert eine Frage zu beantworten sind es meistens Abfragen zu Auswendiggelerntem. Geben sie dann eine falsche Antwort werden sie bestraft. Freies Denken und den Mut diese Gedanken offen zu formulieren oder nach ihnen zu handeln wird hier nicht gelehrt.

Was wir den Kindern darum jeden Tag versuchen beizubringen, ist eigene Entscheidungen zu fällen und nach ihnen zu leben. Denn die Kinder wissen alles über HIV/Aids, die wissen mit 11 mehr über Sex und sexuell-übertragbare Krankheiten, als ich mit 26 je wissen wollte.

Was sie nicht wissen ist wie man sich gegen einen Onkel wehrt, der einen vergewaltigt; Wie man seinen eigenen Weg geht, wenn alle Freunde Alkohol trinken und Sex haben; Wie man an seinen Träumen festhält und für sie arbeitet, wenn einem jeder sagt wie nutzlos man ist.

Und wir müssen ihnen zeigen, dass wir das sind wenn es darauf ankommt. Dank Elias Beharrlichkeit und seinem unermüdlichen telefonischen Einsatz arrangierter er also kurz vor den Ferien dieses Testing. Bei dem von den 30 Kindern, die regelmäßig unser Zentrum besuchen und nach Ausgabe von über 50 Vordrucken für eine Einverständniserklärung sich immerhin 6 Kinder haben testen lassen. Keine große Zahl, aber laut den Verantwortlichen von Hope ziemlich gut für einen ersten Termin. Und die beste Nachricht: Keines der Kinder war HIV positiv. Ich übrigens auch nicht :)

Wir bleiben also dran! Das nächste Testing ist angesetzt für Mitte Februar…

Einmal im Kinderheim…

Dezember 12, 2008 by nadinee

Erinnert ihr euch noch an meine Abenteuer im Mitchell Park? Mit Noozinandi, Doozi, Thomas, Hannah und Tendeka?

Vergangene Woche Dienstag gab es ein Wiedersehen mit der bunten Chaostruppe!

Gemeinsam mit Tom besuchte ich die kleinen Racker in ihrem Kinderheim. Tom und Victoria gehen dort ja regelmäßig auf Stippvisite.

Die Einrichtung wird von einer Kirche unterstützt und hat zwei Häuser. Eines für die größeren Kinder und eines für die Kleinen. Insgesamt können dort rund 12 Kinder leben. Eigentlich ist es kein richtiges Kinderheim, es nennt sich vielmehr Transmission House. Die Einrichtung nimmt Kinder in der Regel nur übergangsweise auf. Entweder weil die Eltern gerade in Schwierigkeiten oder im Krankenhaus sind oder weil sie keine Eltern mehr haben, aber noch nicht entschieden werden konnte, wer jetzt die Fürsorge übernimmt.

Noozinandi lebt inzwischen auch schon wieder bei seiner Tante…

Dafür kam vor einigen Wochen neuer Zuwachs. Eine wirklich traurige Geschichte: Ein knapp Acht-Wochen alter Säugling, den die Polizei in einem Mülleimer gefunden hat! Unglaublich oder?

Es ist ein kleiner Er. Gerade Mal so groß wie mein Unterarm lang ist (vom Ellbogen bis zum Handgelenk), mit schwarzem lockigem Haar und großen dunkelbraunen Augen. Ziemlich ruhiger Zeitgenosse, schreit kaum, schläft viel – soweit meine Erfahrungen als ich das kleine Bündel füttern und zu Bett bringen durfte.

Schwer vorzustellen der Moment wenn Du dem kleinen Erdenwesen mal erklären musst, warum es jetzt hier ist und nicht bei seiner Mama und seinem Papa… Wie erklärt jemandem die Tatsache, dass er praktisch weggeworfen wurde?

Ich denke ich könnte eine Entschuldigung für Mütter finden, deren eigene Lebenssituation die Pflege eines Neugeborenen unmöglich macht. Solche Lebensumstände sind hier in Südafrika trauriger weise nicht selten. Aber trotzdem finde ich hat jedes Elterteil die Pflicht sicherzustellen, dass das Kind versorgt ist. Hier gibt’s Kirchen an jeder Ecke und anonyme Krankenhäuser und und und…Also absolut keinen Grund ein Neugeborenes wegzuwerfen. In einen Mülleimer. Kein Ort wo ein Neugeborenes gut aufgehoben ist.

Wahrscheinlich wird man das alles dem Kleinen eh nie erzählen. Wenn er irgendwann mal wissen will warum seine richtigen Eltern ihn nicht wollten, werden seine neuen Eltern hoffentlich eine glaubwürdige Antwort parat haben…

Für den einen Abend jedenfalls durfte ich sicherstellen, dass der Kleine gut versorgt ist. Und die angestellten Pflegemütter sind zuversichtlich, dass er bald von einer netten Familie adoptiert wird. Adoptionen aus diesem Heim sind übrigens nur innerhalb Südafrikas möglich, also keine Chance für Madonna und Co. Allerdings auch keine Chance für Victoria, die am liebsten alle Kinder zu ihre Familie machen würde…

sonne, mond und STERNE!

Dezember 3, 2008 by nadinee

Letzten Sonntag habe ich mal wieder die Schulbank gedrückt in der lamontvillschen Sonntagsschule. Victoria – frisch von ihrer umfangreichen Rundreise Uganda/Boston/NewYork/sonst wo zurückgekehrt – hat sich nämlich sogleich breit schlagen lassen die Kinderbetreuung beim Lamontville Bibeltreff zu übernehmen. Den Spaß durfte ich mir nicht entgehen lassen!

Bereits die Vorbereitungen sorgten im Hause für Heiterkeit. Denn gut 7 Tage ging Victoria abends regelmäßig die Wände hoch; aufgrund ihrer eher unreligiösen Welteinstellung hatte sie “leichte” Schwierigkeiten ein geeignetes Unterrichtsthema inklusive lustiger Bastelaktivität zu finden. Am Ende kam sie daher zurück auf den Klassiker: Jesus’ Geburt.

Passt ja auch – irgendwie – ich wollte sagen zur Jahreszeit, was eigentlich auch stimmt, in meinem Kopf aber doch stets Verwirrung auf den Plan ruft, weil wir hier so zielstrebig auf den Sommer zusteuern und Heiße Schokolade, Schnee und Lebkuchen so richtig fehl am Platz wirken. Aber mein persönliches Sinnbild dieser Jahreszeit sind… Naja, muss man durch, nich :)

Jedenfalls im Fokus ihrer Geschichte stand der Stern, als Symbol für das Vertrauen und die Hoffnung, die die drei Könige in ihren Wegweiser setzten, dass er sie zum Ziel führe. Und gebastelt wurden die schönsten, hellsten und buntesten Sterne. Dazu gab es Papier, Schere, ein paar Filzstifte, viel Glitzer und Glimmer und noch mehr Kleber. Eine großartige, aber vor allem naive Idee. Schätzungsweise die Hälfte des Bastelmaterial landete dann auch eher in unseren Haaren oder großflächig verstreut auf unsere Kleidung. Ein paar Glitzersternchen fanden auch ihren Weg in übereifrige Kindermünder, ebenso wie Filzstiftfarbe – mit denen man sich munter versuchte die Lippen bunt zu malen.

Ich sage euch, das war ein Heidenspaß :) Und am Ende des Vormittages hatten wir eine ganze Schnur voller bunter Sterne zusammen… Der Weg nach Lamontville sollte damit nicht mehr zu verfehlen sein ;) Und das alles ohne die Gefahr von Strangulation, ausgerissenen Haaren oder abgequetschten Beinen - Gefahren, denen man in der Regel häufiger ausgesetzt ist inmitten der lamontvillschen Kinderschar.


Wo es denn jetzt aber Ecuador? Und was macht Schottland immer noch hier?!

November 30, 2008 by nadinee

Drei Monate sind ins Land und 192 Kinder aus Edendale durch unser Programm gezogen. Höchste Zeit also mal wieder ein ordentliches kleines Turnier zu schmeißen.

Eigentlich ein Klacks, steht doch seit Jahren ein viel erprobter Idioten Guide „ Wie schmeiße ich ein Turnier“ in unserem Office Regal. Dumm nur, dass mit den letzten Entwicklungen innerhalb unserer kleinen Organisation sich irgendwie die Spielregeln geändert haben. Vom Hinterhofgrasplatz ging’s nämlich plötzlich ins International Convention Centre Durban.
Über geschätzte zehn Ecken hatte unser allerliebster Oberboss Marcus das International Convention Centre Durban für unser Programm begeistern können und die überwiegend indischen Herrschaften dazu überredet das nächste Turnier zu halten. Das ICC Durban– so die Kurzform – entspricht in etwa dem Berliner ICC, nur ein bisschen moderner und wie gesagt fest in indischer Hand (die indische Gemeinde in Durban ist eine der größten des Landes und angeblich die Größte außerhalb Indiens).

Bei einer solch exquisiten Location bekam Marcus Fantasie natürlich Flügel. Solch große das ich manchmal Angst hatte er würde doch ein bisschen zu nah an die Sonne geraten. Er wollte alles und natürlich umsonst, wir sind ja schließlich ne Charity Organisation. Um die Arena voll zu machen lud er zusätzlich zu den 192 Spielern alle ihre Klassenkameraden ein, noch mal ungefähr 300 Kinder. Und wenn schon großes Publikum, dann auch die ganz großen VIPs. Sein bester Einfall war eine Einladung an Nelson Mandela. Aber nachdem die politischen Entwicklungen hierzulande ein wenig Form angenommen hatten, ließ er den Gedanken wieder fallen und entschied sich lieber auf Jacon Zuma zu setzen.

Nachdem beim letzten Turnier mein einziger Beitrag darin bestand die glorreichen Paraguayaner zu einem ehrwürdigen zweiten Platz zu führen, war ich trotz des Einfluss von Größenwahn Feuer und Flamme.

Neben dem üblichen Schnickschnack wie Tore, Bälle, Referees brauchten wir diesmal also auch Transport, ordentliches Catering (bisher gab’s zweimal HotDog mit kalten Würstchen) und ausreichend zerstreuende Nebenunterhaltung für große und kleine Gäste. Mit der Hoffnung auf einen großen Sponsorenauflauf entschied man(n) außerdem, dass Ecuador in der Teamaufstellung Südafrika weichen müsste. Die sich sonst streng an die Teilnehmer der Weltmeisterschaften 2006 hält. Mal abgesehen von den Schotten, die ein früherer Volunteer eingeschmuggelt hat. Warum Südafrika nicht für Schottland spielt? Sentimentalitäten unter Männern!

Aber auch die Versendung der Einladungen an Sponsoren und VIPs erwies sich als tricky. Briefe zu schicken entschieden wir ist zu teuer, aber wie bekommen wir die Leute dazu unsere Mail nicht als Spam abzustempeln? Antwort: Schwierige und mühselige Hinterher- Telefoniererei… Besonders schwierig da Südafrikaner eine ganz eigene Bürokultur haben, in der sie niemals vor 10 Uhr ans Telefon gehen und nach 12 Uhr selten mehr im Office zu finden sind…

Doch am Ende schafften wir es trotzdem eine ganz passable Gästeliste zusammen zu bekommen. Und für den Entertainment Bereich konnten wir eine Coaching Zone mit Spielern des ortsansässigen Fußballclubs Thanda Zulu Royal organisieren, außerdem eine Kletterwand, einen Zauberer/Bewegungskünstler, einen Ballonkünstler, Face Painting und eine Popcorn Maschine.

Natürlich lief trotzdem das wenigste wie gewollt. Unseren schönen und expliziten Zeitplan konnten wir schon nach einer Stunde in die Tonne stopfen, soviel kamen nämlich die Busse mit den Kindern zu spät. Dann fehlte ein Spieler, ein andere konnte sein Team nicht finden, die Referees waren nicht startklar, die Teammanager verwirrt, die Thanda Zulu Royal Spieler verschwanden einfach nach einer Stunde und hier und dort musste ich einen verirrten Sponsor aufgreifen…

Aber die kleinen Katastrophen, so nahtlos sie sich aneinander reihten, hatten keinerlei Effekt auf die Kinder. Und die sind hier das Wichtigste. Am Ende hatten wir also alle einen ziemlich großartigen Tag. Sogar das ICC fand es super und das, obwohl die Kids in der Mittagspause beinahe die gesamte Halle zerlegt hätten, als sie versuchten Sandwich und Popcorn essend mit ihren Freunden Bälle durch die Gegend zu kicken oder mit den Trinkflaschen abzuwehren…

Pictures by: professionally made by “I don’t know” but I promisse I give credit to you as soon as I found out your name…

Happy Klappy am Sonntagmorgen

November 30, 2008 by nadinee

Vergangenen Sonntag bin ich in einer Kirche gestrandet und das kam so:

Jeden Sonntagmorgen gehen Marcus, mein Boss und Tom unser Kanadier in die Kirche. Bisherige Angebote die Beiden zu begleiten habe ich stets dankend ausgeschlagen. Was nicht zwingend was damit zu tun hat das der Name mich mehr an eine Sekte erinnert: “The Good News from the Kingdom of God”. Könnte aber seinJ

Der Begriff Kirche wäre hier auch weit verfehlt, denn die ganze Angelegenheit hat nichts mit uralten, kellerartigen, bunt befensterten Bauten zu tun, in denen ein Pfarrer/ Priester predigt nur unterbrochen von den dröhnenden, brummenden Klängen der Orgel. Eigentlich ist es ein halbstündiger Bibeltreff im Youth Centre in Lamontville bei dem sich die Mitglieder abwechseln die Leitung zu übernehmen um ihre Interpretation verschiedener Bibelpassagen darzulegen.

So spannend wie es klingt ist es wahrscheinlich auch. Müsste ich wählen würde ich wahrscheinlich den Keller vorziehen, da fällt es wenigstens nicht auf, wenn man mal einschläft…

Was mir allerdings jeden Sonntagmorgen einen kleinen Nadelstich Neugierde verpasste war die Tatsache, dass Victoria – von ganzem Herzen Wissenschaftlerin und ohne einen Funken Gläubigkeit – mit Freude die Beiden begleitete. Der Sache musste ich auf den Grund gehen! Und natürlich fand ich heraus, dass Victoria sich niemals für die Bibel interessiert hat. Nein, was Vicky jeden Sonntag so früh aus dem Bett trieb, war die Möglichkeit kleine Kinder zu knuddeln. Denn während die Erwachsenen sich im Jugendzentrum verschanzen um über Noah und die Arche grübeln, gehen die Kinder der Umgebung zur Sonntagsschule und Victoria mit ihnen. Also schnappte ich mir einen Stuhl und beschloss selbst noch einmal die Schulbank zu drücken. Zehn Minuten lang hielt ich das für eine gute Idee. Dann kam das erste Kind!

Kinder, Kinder, nee

Ich meine die waren natürlich alle schon vorher da und ich finde kleine Kinder auch wirklich süß. Aber dann kam das erste Kind, dass auf meinem Schoß sitzen wollte! Und dann kam noch eins. Und dann noch eins und dann noch eins und dann bekam ich Atemprobleme. Denn das nächste Kind, das kam fand keinen Platz mehr auf mir und beschloss darum, sich hinten am mich dranzuhängen. Die kleinen Hände fest um meinen Hals. Währen ich röchelt und hustend versuchte ein bisschen Platz zu schaffen möglichst dicht neben mir, zog etwas plötzlich ganz furchtbar an meinen Haaren. Und schwuppdiwupp war ich mein Zopfgummi los und vier kleine Mädchen versuchten mir afrikanische Zöpfe zu flechten. Und dann kam der Moment als ich erkannt, dass ich ein echter Dummkopf bin (ja ich weiß der ein oder andere von Euch versucht mir das schon seit Jahren mitzuteilen, ernsthafte Erkenntnisse brauchen eben ihre Zeit!). Für alle anderen die sich jetzt fragen: Was meint sie?!

ICH HATTE MEINE BRILLE AUF! Zumindest eine Weile, doch dann entdeckten die Kids, dass alles ziemlich lustig aussieht wenn man mit gesunden Augen durch so eine Brille durchguckt. Während also von vier Seiten Mädchen an meinen Haaren ziepten, mich ein Junge versuchte – nun von der Seite – zu strangulieren, zwei Kinder auf meinen Beinen balancierten ihre kleinen Finger fest um meine Daumen gepresst, damit sie nicht runter fielen. Redete ich auf das Kind in der Mitte ein mir doch bitte wieder die Brille auszusetzen, weil ich sonst doch nichts sehen würde…

Wo bleibt die Kirche

Während ich also wie ein Maulwurf vor mich hinblinzelte stieg mir plötzlich der vertraute Geruch von Polonie in die Nase (eine widerlich künstlich aussehende, aber hier sehr begehrte Wurst). DIE RETTUNG! Die Mitglieder des Bibeltreff scheinen nämlich ihre gesellige Runde auch nicht sonderliche lange ertragen zu können und eröffneten bereits nach 20 Minuten das Frühstück für die Kinder… Dann wurden noch ein paar Brote verteilt und schon war der Spuk vorbei und Tom, Elias und Ich wieder auf dem Heimweg…

Wo bleibt die Kirche fragt ihr Euch. Wartet’s ab…

Wir wollten gerade aus der Siedlung auf die Schnellstrasse abbiegen, als wir plötzlich lauten Gospelgesang wahrnahmen. Happy Klappy?! Kurz entschlossen hielten wir an… Und tatsächlich in dem etwas schäbig aussehenden großen Gemeindesaal rechts neben der Kreuzung hatte sich halb Lamontville versammelt. Aufgebrezelt in bester Sonntagsgarderobe. Und auf der Bühne schmetterte der Priester eine Jesus-Lobeshymne nach der anderen. Wir beschlossen zu bleiben. Sehr zur Freude der Gemeinde, von der beinahe jeder dritte (halb Lamontville sind ne Menge Leute) uns zur Begrüßung stürmisch die Hand schüttelte.

Begleitet wurde der Priester von einer neunköpfigen Band inklusive Background-Sängerinnen und für Neuankömmlinge wie uns wurden freundlicherweise alle Texte auf einem großen Bildschirm angezeigt. Was bei den Zulu-Liedern kaum einen Unterschied machte. Eine gute Stunde lang hatten wir viel Spaß. Man soll ja immer aufhören wenn’s am schönsten ist. Dieses Sprichwort scheint man hier nicht zu kennen. Was bedeutet der Spaß war nicht vorbei weil wir gegangen sind. Nein, er war vorbei weil dann ein anderer Priester begann, offensichtlich nicht so gut im Singen, zu predigen. Was im Wesentlichen darin bestand in regelmäßigen (äußert kurzen) Abständen zu rufen Halleluja und Praise God or Praise Jesus. Nach 5 Minuten war ich bereits genervt und nach weiteren fünf Minuten fing mein Magen an zu knurren. Daran änderte auch nichts der Kekskrümmel, der das Abendmahl repräsentierte, welches ein zweiter Priester zwischendrin einberief. Versteht mich nicht falsch, ich habe nichts gegen Beten und Predigen. Aber ich persönlich denke, dreimal Halleluja rufen reicht um Gottes Aufmerksamkeit zu gewinnen. Ich meine stellt euch mal vor ihr bekommt einen Anruf und alles was die Person am anderen Ende der Leitung sagt ist Hallo. Ich wette nach dreimal Hallo sagt ihr „Falsch verbunden!“ und legt auf!

Jedenfalls um 13 Uhr taumelten wir hungrig, durstig und halb taub aus der Kirche zurück ins Sonnenlicht. Immerhin eine Stunde von den vergangenen drei Stunden hatten wir richtig viel Spaß. Soviel, dass wir beschlossen der Kirche noch mal eine Chance zu geben – das nächste mal aber gehen wir gleich in den Jesus Dome!

Guck mal! Auf der Jagd…

Oktober 29, 2008 by nadinee

… in Hluwhluwi und den St. Lucia Wetlands.

Unterwegs im Hobbitland

Oktober 29, 2008 by nadinee

Es ist eins dieser Leiden des Älterwerdens, dass man das Gefühl hat die Zeit rennt. Seit knapp zwei Monaten bin ich nun schon am praktizieren in Südafrika, was genau weiß man nicht, aber das muss an anderer Stelle diskutiert werden. Und mein letzter Ausbruch aus dem WhizzKids United Universum in der Clark Road 313 ist inzwischen schon ganze fünf Wochen her. Was habe ich nur gemacht die ganze Zeit?!

Es war also eigentlich schon höchste Zeit für einen kleinen Lagerkoller. Und letzte Woche war es dann soweit. Nachdem uns das Wetter auch in der Mittagspause und zu früher Feierabendzeit das Draussen-Sein vermieste, erreichte mein Toleranzlevel gegenüber meinen Mitbewohnern ein neues Tief. Ich bin wohl nicht so gesellig wie ich immer angenommen hatte. Da traf es sich, man ist versucht zu sagen ausgezeichnet, dass Victoria am vergangenen Freitag ihren Geburtstag durchlebte und deshalb einen ausgedehnten Trip in die Drakensberge für dieses (vergangene) Wochenende plante. Jipiieeeh Road Trip!

Nach ausgedehnten Recherchen über das Für und Wider aller möglichen ansässigen Autovermietungen holten wir am vergangenen Freitag unsere Rettungskapsel ab. Unsere Abmachung, dass wir alle Schadenkosten im Ernstfall teilen würden bereuten wir schon bitter an diesem Morgen, als nämlich Tom, selbsternannter Reiseleiter, den Wagen gegen unser Eingangstor setzte und genau über dem linken hinteren Reife eine tiefe Schramme platzierte. Grrrr…

Das sollte uns aber natürlich nicht davon abhalten am Samstagmorgen, um frische 5.30, der Clark Road unsere Rücklichter zu zeigen. Zu den Klängen von Tom Petty (fragt mich nicht :) ) rollte unser Auto in Richtung Berge. Andächtige Stille breitet sich aus, während sich meine vier Anhängsel ihrem geplanten 2 Tagestrip nach Lesotho, inklusive einer Übernachtung in einer Gastfamilie, entgegenträumten. Ich träumte derweil von ausgedehnten Wandertouren durch die unteren Regionen der Drakensberge und dem hausgemachten Schokoladenkuchen, für den meine Unterkunft so gerühmt wird. Das meditative Schweigen wurde erst gebrochen, als Elias plötzlich einfiel, dass er seine Regenjacke vergessen hatte und anfing laut darüber nachzudenken, ob2 Pullis wohl reichen mögen auf 3000m Höhe. Wie eine Antwort begann nasskalter Regen gegen die Scheiben zu schlagen. Als dann auch noch dichter Nebel aufzog, dachten wir kurzfristig wir wären in Schottland statt in Südafrika.

Trotz Nebel erreichten wir aber pünktlich um kurz vor 9 Uhr mein Tagesziel: Sani Lodge Backpacker am Fuße des Sani Pass, dem einzigen Weg nach Lesotho an dieser Seite des Berges. Von hier machten sich die Vier ohne mich weiter auf den Weg. Der Mietwagen wurde in einen 4×4 (spricht man foar bei foar, ein Geländewagen) dem einzigen zugelassenen Vehikel in diesen Regionen eingetauscht und Reiseleiter Tom gab seinen Posten ab an die Besitzerin der Sani Lodge, die ihr Guide sein sollte für die kommenden 48 Stunden. Der Abschied war kurz und schmerzlos. Während die anderen also auf Cultural Experience hofften, kramte ich meinen I- Pod aus der Tasche und besorgte mir an der Rezeption eine Karte der Umgebung. Ich freute mich auf mindestens 5 Stunden Ruhe und Natur und KEINE Menschenseele außer mir. Aber wie so häufig: Zu früh gefreut. Kaum setzte ich einen Fuß neben die Rezeption hörte ich plötzlich jemanden meinen Namen rufen. Als ich mich umdrehte eilte die Rezeptionistin auf mich zu, in ihrem Schlepptau ein japanisches Pärchen. In kurzen Worten erklärte sie mir, dass diese beiden kein Englisch sprechen könnten und daher wohl auch nicht die englische Karte lesen könnten und ich müsste meinen Hike mit den beiden machen. Bitte?! Na, wenn’s denn unbedingt sein muss. Es musste! Und eh ich mich versah latschte ich also durch die Pampa mit zwei neuen Anhängseln im Gepäck. Nach kurzer Zeit allerdings überdachte ich meine Lage und kam zu dem Schluss, dass das eigentlich keine schlechte Sache war. Die beiden sprechen kein Englisch, ich kein Japanisch, ein guter Grund keine Unterhaltung anzustrengen. Kann ich also getrost meinen I- Pod einstöpseln. Und noch eine gute Sache, falls was passiert bin ich nicht alleine in der Pampa. Ich würde also schneller gefunden werden, als wenn ich darauf warten müsste, dass die Köchin der Sani Lodge mich beim Abendbrot zu vermissen beginnen. Nach meiner Rückkehr entschied ich mich erstmal eine kühle Cola auf der Veranda der Lodge mit einem atemberaubenden Blick auf die Berge genießen. Ein indisch-südafrikanischen Ehepaar aus Durban hatte es sich ebenfalls in den gemütlichen Outdoor- Sofas bequem gemacht. Über eine Einladung zum Indischen Brianii (keine Zwiebeln, kein Ingwer!!!) kamen wir schnell ins Gespräch.

Die Beiden hatten gerade ihre Motorräder gegen einen roten Audi TT eingetauscht und bereisten nun das Land damit. Vor zwei Jahren verlor die Frau ihre Stimme bei einem Motorradunfall und kann seit dem nur noch flüstern. Ich erzählte den beiden von dem Unfall am Mitchell Park mit Victorias Auto. Ich erwähnte nicht, dass die Insassen alle Inder waren. Brauchte ich auch nicht, als ich zu dem Punkt in der Geschichte kam, wo wir 9 Leute in dem kleinen Golf fanden rief/flüsterten die Beiden wie aus einem Mund: „Indian people, he?!“ Ähm: „Yes! :) “.

Am Abend kuschelte ich mich in einen Ohrensessel neben dem Kamin, in der einen Hand ein Bier und in der anderen Hand den Schokoladenkuchen und lauschte den Gesprächen der anderen Backpacker. Für den nächsten Tag hatte ich eigentlich eine Wanderung zu den berühmten Buschmann-Zeichnungen geplant. Aber das Wetter hatte andere Pläne. Anstatt also in den Fußstapfen der Buschmänner zu wandeln, saß ich plötzlich in einem 4×4 auf dem Weg den Sani Pass hoch. Zusammen mit meinen dorm mates, Garret und Ailis (spricht man AILISCH) aus England, drei Mädels aus Bayern und unserem Guide des Tages Matthew, dessen Wissen über Land, Leute, Geschichte, Flora, Fauna und Tierwelt in dieser Bergregion jedes Lexikon in den Schatten stellt. Die Landschaft des Sani Pass soll atemberaubend sein erzählte er uns, das glaubten wir gerne, schließlich waren es die Drakensberge die JRR Tolkien zu seinem Werk „ Der Herr der Ringe“ inspirierte. Doch die Wahrheit über Schönheit oder nicht blieb im Nebel verborgen. Denn tatsächlich wurden wir nur auf diesen Trip geschickt, weil im Tal Regen und Nebel das einzige war was man zu sehen bekam. Und Matthew versicherte uns am oberen Ende des Sani Pass würden wir durch die Wolken durch sein. Mit Sicherheit würde oben in Lesotho die Sonne scheinen, mit Sicherheit! Vielleicht?!

Ununterbrochen redend und gestikulierend(!) manövrierte Matthew also unser Vehikel den steilen und kurvigen Sani Pass hinauf. Auf ungefähr 2000m passierten wir die Grenze nach Lesotho. Doch der Nebel war ungebrochen und Windböen peitschten diesigen Regen durch das Dickicht. An einer bestimmten Stelle versuchte Matthew uns einen Berg zu zeigen, der vor wenigen Monaten erst zur Hälfte gebrannt hatte. Angestrengt starrten wir also aus dem Wagen, als plötzlich die Sonne unsere aufgerissenen Augen blendete. Von der einen Sekunde auf die andere hatten wir allen Nebel und Regen hinter uns gelassen und blickten nun auf die weiten Ebenen von Lesotho.

Tatsächlich sind diese Brände elementar für die Vegetation hier. Viele der Pflanzen brauchen große Hitze um neue Triebe zu bilden oder sich fortzupflanzen. Und dort wo das Feuer das alte trockene Gras verbrannt hat, kann dann neues frisches und saftig grünes nachwachsen. Dieser Kreislauf gibt der Landschaft ein ganz außergewöhnliches Aussehen, denn oftmals behindern Steine und Brandlinien das Ausbreiten des Feuers. Daher schimmert eine Seite der Berge dann in einem tiefen Grün, während die andere noch orange-braun und vertrocknet ist. Auf unserem Weg tiefer nach Lesotho hinein passierten wir viele kleine Hütten und Schafherden und auch ein paar junge Schäfer kreuzten unseren Weg. In Lesotho wird ein Junge sobald er 14 Jahre alt wird für ein paar Jahre Schaf- oder Pferdehüter. Für jedes Jahr bekommt er ein Tier als Lohn. Am Ende seiner Zeit, hat er dann eine eigene kleine Herde zusammen, die sein Einkommen sichert. Dieses Prinzip mag antiquiert klingen, aber es funktioniert! Nach ihrer Zeit als Hirten kehren die Jungs häufig in die Schule zurück.

Gemessen an unserem Standart ist das Leben in Lesotho sicher einfach. Aber wenn man genau hinschaut beinhaltet es alles was der Mensch braucht um glücklich und zufrieden zu sein.

Wir fuhren bis auf den höchsten Punkt Lesothos für einen kleinen Hike und ein anschließendes nettes kleines Picknick mit Ausblick auf die umwerfende Szenerie. Von weitem konnten wir die Wolken sehen, denen wir gerade erst „entkommen“ waren. Wie eine dunkle Vorahnung schoben sie sich durch die Bergmassen ins Land hinein. Half aber alles nix am Nachmittag mussten wir wieder zurück. Mit drei kurzen Stopps ging es wieder Richtung Zivilisation. Zuerst hielten wir an einer der Hütten um selbstgebackenes Brot und Bier zu kosten. Das Brot war köstlich, das Bier weniger. Eigentlich war es auch kein Bier. Es sah aus wie braunes Wasser mit einem entfernten Apfelgeschmack. Warum die Leute das Bier nennen, wissen sie wahrscheinlich selber nicht. Richtiges Bier bekommt man in Lesotho nur in Südafrikas höchster Bar – die unseren Zweiten Stopp ausmachte. Unser letzter Stopp war dann die Quelle Ewiger Jugend, definitiv eine Erfindung von Matthew! Das Wasser schmeckte hervorragend, aber Matthews Gesicht zu urteilen hatte es keinerlei verjüngende Wirkung… Aber schaden kann’s ja nicht!

Zumindest fühlte ich mich erfrischt genug um zehn Minuten später wieder meinen Mitbewohnern gegenüber zu treten…

Mit großem Geschnatter von allen Seiten ging es dann zurück nach Durban…

Die Schramme an unserem Auto kostete bisher übrigens noch nichts. Der Prüfer erklärte bei der Abnahme sogar das Auto würde wie neu aussehen :)

BBC – Braai, Blues and Cricket

Oktober 29, 2008 by nadinee

Es soll ja Männer geben auf dieser Erde, denen geht Fußball über alles. In den meisten Fällen zelebrieren diese Exemplare ihre Fußballabende vor dem Fernseher auf eine ganz besondere Art und Weise: In einem verrauchten, dunklen, stinkigen Pub mit einem mittelgroßen TV Gerät in einer Ecke des Raumes, eine Armlänge gefüllter Biergläser vor sich und ihre besten Kumpels neben sich. Frauen sind bei solchen Gelegenheiten unerwünscht. Wenn überhaupt erlaubt, dann nur als Bedienung hinter der Theke, ansonsten (insbesondere wenn’s die eigene ist) bitte nur zu Hause.

Zurzeit habe ich das (zweifelhafte) Vergnügen mit gleich mehreren dieser Exemplare zusammen zu wohnen. Das war mir aber nicht klar bis zu dem Tag an dem England spielte (das Spiel vor dem letzten!). Gerade saßen wir noch gemeinsam gemütlich beim Dinner und drei Sekunde später standen die Mädels alleine vor einem Berg ungewaschenem Geschirr – während der Boss einen Männerabend ausrief und seine Schäfchen ins Auto lud in Richtung nächste Kneipe. Dieser Affron gegenüber dem weiblichen Geschlecht schrie förmlich nach Wiedergutmachung. Zumindest Paul, unser Football Development Manager, war das glasklar, als er die frostige Stimmung am nächsten Morgen im Büro bemerkte. Daher organisierte er für das darauf folgende Wochenende Karten für ein Blueskonzert. In der letzten Septemberwoche fand nämlich ein großes Blues&Jazz Festival am Hafen statt. Die besten Musiker des Landes sollten zusammen kommen um an diesem Abend ein großes Konzert zu geben.

Unter anderem auch Matthews Gitarrenlehrer. Matthew ist unser Accounting Manager und ein leidenschaftlicher Musiker. Allerdings wohl nichts im Vergleich zu seinem Gitarrenlehrer – Sid Kitchen (angeblich kein Künstlername). Das kann ich schlecht beurteilen, aber was ich weiß, der Typ ist ein Fossil! Jedenfalls könnte man ihn in einem Historischen Museum leicht mit einem der Ausstellungsstücke verwechseln. Er ist schätzungsweise 60 Jahre alt laut Pass und ungefähr 160 laut seinem Gesicht und um ihn herum schwebt eine anhaltende Dunstwolke von Marihuana, die wahrscheinlich niemals abzieht. Aber er ist ein „Gott“ an der Gitarre – laut Matthew. Was aber am meisten beeindruckt ist seine Freundin, die ist nämlich frische 22 Jahre, also etwa halb so alt wie seine eigenen Kinder. Ich nehme mal an sie großer Musikfan (oder er hat noch andere Talente, die sein Äußere nicht vermuten lassen).

Bevor wir aber eine Kostprobe seiner musikalischen Fähigkeiten zu hören bekamen, lud uns Matthew noch zu einem was ein? Yebbo: einem Braai. Offensichtlich hatte Matthew von Paul (oder von Marcus?!) gehört, dass das WhizzKids Team dringend mal wieder einen Bonding-Nachmittag braucht.

Warum fragt ihr euch? Wo verbringt ihr nochmal eure Fußballabende?!

Jedenfalls, zufälligerweise spielte Matthew gerade Housesitter in der Villa seiner Eltern. Eine großartige Gelegenheit für uns einmal hinter die hohen Zäune zu schauen, die hier die Anwesen vom Rest der Welt trennen. Und dann auch noch ein echter Glückstreffer. Eine riesige Veranda, die sowohl vom Esszimmer als auch vom Wohnzimmer (beide so groß wie das Wohn- und Esszimmer meines Elternhauses zusammen) zu betreten ist säumt den Garten, an dessen anderem Ende ein großer Pool liegt mit einem kleinen Pavillon. Das Dach der Terrasse bildet ein ebenso großer Balkon, der an die Schlafzimmer grenzt. Die Küche hat einen begehbaren! Kühlschrank und Platz genug für einen eigenen Esstisch. Und am eigentlichen Eingangsbereich entdeckten wir noch mal ein Wohnzimmer mit einem riesigen Flügel in der Mitte. Weiter bin ich mit meiner Erkundungstour nicht gekommen, denn mein Magen knurrte nach leckerem Gegrilltem… Nach dem Essen spielten wir dann noch eine Runde Cricket im Garten. Wobei wir wahrscheinlich den Großteil der Zeit damit verbrachten verschwundene Bälle zu suchen und aus allen Winkeln des Gartens zu fischen. Nebenbei erfuhren wir aber schon mal alle Insiderinformationen für den bevorstehenden Abend. Wer spielte was, wieso, weshalb, warum und so weiter…. So konnten wir später ganz die Blueskenner anerkennen nickend in unseren Stühlen sitzen und der Musik lauschen.

Und Matthew hatte tatsächlich nicht zuviel versprochen. Die Musik war wirklich großartig und sein Gitarrenlehrer alle Lobeshymnen wert. (PS: Seine Freundin war übrigens nicht nur frische 22, sondern im Gegensatz zu ihm auch noch eine echte optische Granate. Das nur dazu wie gut die Musik ist, die er macht :) )