Andere Länder durchlaufen jahrelange Bewerbungs- und Vorbereitungsphasen um einmal ein internationales Fuballturnier austragen dürfen. Hier in Südafrika gibts alle 8 Wochen einen World Cup. Gibts nicht? Gibts doch! WhizzKids machts möglich…
Und sie kommen alle: Deutschland, England, Holland, Argentinien, Italien, Spanien, Portugal… Könnte allerdings sein, dass die Spielerbesetzung nicht ganz so international ist, wie der Titel vermuten lässt.
Genaugenommen sind die Spieler nämlich die Kids, die in den vergangenen Wochen das Lifeskills-Programm durchlaufen haben. Und ich hatte das große Vergnügen, das aktuelle Abschlußturnier der letzten Gruppen exakt einen Tag nach meiner Anreise mit zu erleben… Und es sollte ein großes Vergnügen werden:
Schauplatz des „World Cups“ war ein Stadium in einem Township namens Ashdown, ungefähr eine Autostunde von Durban entfernt. Da die gesamte Organisation in unseren Händen liegt war die Deadline zum Aufbruch auf 6:00 a.m. festgelegt. Also mitten in der Nacht. Dabei hatte ich letzte Nacht schon kaum geschlafen. Aber das Vergnügen wurde noch größer, als ich zu einer von 3 Fahrern auserkoren wurde. Weder hatte ich einen Plan wo es lang geht, noch die leisteste Erfahrung darin wie es ist rechts zu sitzen und links zu fahren. Und mein Beifahrer Sam, ein weiterer Volunteer, erwies sich auch nicht als große Hilfe. Beim Fahrern konnte er mir eh nicht helfen ausser in dem er aufkeimende Panik unterdrückt. Aber auch in Orientierungsfragen erwies er sich nicht als große Hilfe… Meist sagte er nur: „I might have an idea, but it has not come back,yet…“ Die Erleuchtung kam stets im letzten Augenblick!
Gott sei Dank war er dann aber so konzentriert auf die Schilder, dass ihm nicht auffiel wenn ich ausversehen mal rechts ins Leere griff, weil er hektisch schrie „Go left, go left…!“. Oder statt den Blinker zu setzen, die Scheibenwischer anstellte, wenn er rief: „Turn right..!“. Aber Frauen sind ja bekanntlich multitaskingfähig und die allgemeine Fahrweise der Südafrikaner verzeiht solche Fehlversuche schnell. Darum erreichten wir Ashdown tatsächlich pünktlich und unfallfrei und mit noch genug Restnerven für den langen Tag um 7:00 a.m. …
Bei einem Abschlußturnier kommen 192 Kids zusammen in 32 Teams. Mit jeweils drei Mädchen und drei Jungen. Die Teams werden bereits während des LifeSkills-Programm festgelegt. Meine ehrenvolle Aufgabe heute: Teammanager für Paraguay. Ich musste dafür sorgen, dass die Sachen meiner Spieler ordentlich verstaut sind, ihre Teamkleidung sitzt – jedes Kind bekommt ein Sporttrikot und eine Fußballhose! – und das sie immer pünktlich zu ihren Spielen erscheinen. Ausserdem genug Trinken und in der Mittagspause was zu Essen zu bekommen (Kalter Hotdog, was für eine Delikatesse)… Unterstützt wurde ich von einem Peer Educator, dass sind Kinder, die nach dem LifeSkills-Programm nochmal eine kleine Extraausbildung machen und uns dann als Übersetzer und Ansprechpartner zur Seite stehen. Denn die meisten der Townshipbewohner sprechen kein Englisch…
Auch Fußballspielen ist hier nicht Jedermanns Stärke;) Aber alle haben Spaß dran. Und das ist die Hauptsache. Auch wenn klar ist, dass Paraguay das Finale ausschließlich aufgrund seines herausragenden und unermüdbaren Stürmerspaares erreichte – das Notfalls auch mal ins Tor rückte.
Im Finale erwartete uns das inzwischen recht unbeliebte Kroatien. Ihre Taktik: drei große Mädchen im Tor zwei kleine Stürmer vorne – weder schön noch fair. Und stieß beim Publikum auf breite Ablehnung. Entpuppte sich aber als effektiv. Im Finale gelang ihnen ein klarer 4:2 Sieg gegen uns… Spätestens bei der Siegerehrung, als alle ihre Medaillen bekamen, waren aber schon wieder alle Tränen getrocknet. Hat sich das frühe Aufstehen doch gelohnt…


