Sommerferien Teil 2

By nadinee

Die erste Woche verbrachten wir also in Nature’s Valley.

Für unseren ersten Ausflug tauschten wir allerdings die Hiking- Schuhe gegen die Flip Flops ein. Auf Empfehlung von Craig, dem gestrandeten Volunteer und unerschrockenen Wildnisliebhaber, machten wir uns auf das nahe gelegene Plettenberg Bay zu erkunden und dort einem Drum Circle beizuwohnen. Drum Circles sind eine beliebte Sache hier in Südafrika. In der Regel funktionieren sie so, dass ein paar Einheimische und Hippies, die es gerne wären, ihre Trommeln abstauben und sich irgendwo wo’ s gerade passt um ein Feuer scharen. In diesem Falle am Strand von Plettenberg Bay. Viel zu erkunden gab es an diesem Abend aber nicht. Das Feuer reichte nur ein paar Meter weit, der Rest von Plettenberg Bay lag im tiefen Schwarz der Nacht. Wir trommelten also ein bisschen und entschieden uns dann lieber am nächsten Morgen wieder zu kommen, wenn man wirklich etwas sieht. Am nächsten Tag stellten wir aber alsbald fest, solange man nicht auf das Meer hinausschaut, steht Pb Bay die Nacht besser. Der große Parkplatz den wir gestern Nacht noch so vorteilhaft gefunden hatten, entpuppte sich nämlich als Betonvorplatz für einen ausgesprochen hässlichen viereckigen Hotelklotz, der den einzigen Zugang zum städtischen Strandteil zierte. Gott sei Dank hielt dieser kleine Missstand nicht die Sonne davon ab, munter auf uns nieder zu brennen und auch nicht das Meer herrlich erfrischend zu sein. Wir verbrachten den Vormittag daher mit Sonnen- und Meerbaden, Frisbee spielen und faulenzen – herrlich. Am Nachmittag trafen wir im Wild Spirit auf Tom, einem unternehmungslustigen Niederländer, der sich das Dorm mit uns teilte. (Neben zwei Musikern aus Cape Town, die nach einer offensichtlich äußerst anstrengende Studio Session hier Entspannung suchten und daher meistens betrunken waren. Aber ausgesprochen freundliche und herzliche Gesellen, solange sie nicht anfingen zu singen. Gelegentlich habe ich nur darauf gewartet, dass die Hunde mit ins Gejaule einsteigen würden. Vielleicht waren sie zu sehr beschäftigt sich die Ohren zu zuhalten.) Wir beschlossen gemeinsam einen kleinen Hike zum nahe gelegenen Wasserfall zu starten, dessen Wanderpfad seinen Anfang direkt am Fuße der Bar hatte. Nach so viel erfrischenden Bädern in kühlem Nass, beschlossen wir auf dem Rückweg vom Wasserfall am nächsten Tag mal ein bisschen pro aktiver zu sein und buchten für 7 Uhr morgens eine Canopy Tour.

Na ja, um ehrlich zu sein war das die einzige Tour, die noch freie Plätze hatte. Eine Canopy Tour ist übrigens eine tarzanmäßige Rutschpartie entlang so genannten Foofie Slides (in Südafrika) oder auch Cable Slides (in allen anderen englischsprachigen Ländern der Welt:). Sprich eingepackt in ein umfangreiches Gestrüpp aus Haltegurten und dann befestigt an einem Stahlseil gleitet, rutscht oder rauscht man durch die Baumwipfel des Tsitsikamma Forests. Um 6. 30 Uhr, ohne Frühstück oder einer Ahnung was uns erwartet machten wir uns also auf dem Weg. Zwischen Stormsriver und Plettenberg Bay existiert übrigens eine Zollschranke, bei der man für jede Überquerung 11, 50 Rand blechen muss. Für wie unnötig wir diese Schranke hielten, dämmerte uns aber erst als wir auf den Parkplatz des Tsitsikamma Canopy Tour Base Camps einbogen und etwa 50 Meter weiter rechts das Eingangsschild zu unserem nächsten Backpacker-Halt entdeckten. Dem Backpacker an dem wir eigentlich an diesem Abend einchecken wollten. Aber keine Zeit für Ärgerlichkeiten, wir waren schließlich schon 20 Minuten zu spät…Und so schwangen wir uns fröhlich die nächsten 1,5 Stunden von Outeniqua Yellowwood zu Yellowwood. Mit uns auf die Reise durch die Wipfel der Baumriesen ging eine fünfköpfige Afrikaans-Familie, deren ältester Sohn irgendwas mit Wildnishüterei studiert und mehr zu wissen schien über die uns umgebene Natur als unsere eigentlichen Tour-Guides. Gegen die es dennoch keine Einwände zu erheben gibt, zwei ausgesprochen sympathische Herren, denen unsere Sicherheit sehr am Herzen lag. Ihnen war es am Ende auch zu verdanken, dass wir nach dem Ganzen einhaken, sliden, um- und aushaken sicher im hauseigenen Restaurant zum Frühstück landeten – noch bevor es einen von uns am Hunger dahinraffte. Schmeckt hervorragend so ein Cheeseburger um 9 Uhr in der Frühe…Südafrikaner lieben ihr Fleisch! Zähneknirschend bezahlten wir dann auf dem Rückweg zum Wild Spirit abermals 11,50 an der Zollschranke. Und weil der Tag noch so jung und frisch erschien streiften wir mutig und gestärkt endlich unsere Hikingschuhe über und machten uns daran entlang des Salt River Wanderweges Nature’s Valley zu erwandern. Craig gab uns dafür eine eigens gemalte Karte. Ein sehr liebevoll gezeichnetes Stück Kunst! Was uns aber nicht davon abhielt und einmal hoffnungslos zu verlaufen… Was dazu führte, dass aus dem 5 Stunden Hike 7 Stunden wurden und Jess sich den Knöchel verstauchte. Wobei ich diesen kleinen Unfall zunächst vollkommen falsch interpretierte. Kaum das wir gemerkt hatten, dass wir ein wenig fehlgeleitet waren drehten wir um und eilten den Weg zurück. Voran laufend drehte ich mich nach einigen Metern um, um zu sehen ob die anderen hinterherkommen und da lag Jess mit ausgestrecktem Bein auf dem Boden und dehnte sich. Dachte ich zumindest – Weswegen ich irritiert fragte ob das jetzt unbedingt nötig sei und warum sie sich dafür ausgerechnet in einen Feuerameisenhaufen setzen musste. Ach ja, wenn Blicke töten könnten. Natürlich kamen wir abends viel zu spät am Backpacker an um noch einmal den Weg nach Stormsriver zu machen und so blieben wir eine weitere Nacht im Wild Spirit. Sehr zur Freude von Craig, der offensichtlich ein Auge auf Jess geworfen hatte. Was wiederum Unmut bei Tom, dem Niederländer, hervorrief, der seine Felle schwimmen sah… Katie und Ich ignorierte diese Liebeleien aber gefließentlich und machten es uns am Feuer mit dem wohlverdienten Bier gemütlich. Mit uns die Hitze teilten sich Joe und Rob. Joe und Rob sind Ende Dreißig, ein Südafrikaner und ein Kanadier, die beide als professionelle Fallschirm-Instructoren in den Staaten arbeiten und Base Jumpen zu ihren Hobbies zählen. Sie luden uns ein am nächsten Morgen um 8 Uhr (hört sich nicht nach Urlaub an was;) ihrem Sprung von der Bloukrans Bridge beizuwohnen. Das ließen wir uns natürlich nicht zweimal fragen, hatten wir doch selber noch eine Verabredung mit dieser Brücke… Aber seht am besten selbst!

Das war ein Abenteuer!

Eine Stunde später waren auch Rob und Jo wieder oben auf. Ein bißchen verschwitzt, aber unversehrt… Normalerweise landet ja niemand, der von der Brücke springt, ganz unten. Darum gibt es nur einen kleinen, sehr steilen Trampelpfad, der vom Fluß nach oben zum Base Camp führt. 2 Stunden eine steile Wand hochkratzel für 4 Sekunden freier Fall – klingt nach einem sehr erfüllenden Hobby:)

Wir gönnten uns alle dann erstmal ein ordentliches Frühtück. Und weil das eigentlich genug Adrenalin für einen Tag war, beschlossen wir gemeinsamt den Rest des Tages am Strand zu Faulenzen – mit einem Fläschen Wein und ein paar Crackern.

Am Abend checkten wir dann wirklich im neuen Backpacker ein. Dem Tube’ n Axe in Stormsriver, gleich neben der Canopy Tour. Gegenüber dem Wild Spirit ist das Tube’n Axe eine echte Partylocation, mit dem Dorm direkt neben der Bar, damit auch gar keiner auf die Idee kommt zu schlafen… Und weil es die einzige Bar im Dorf ist, ist sie ausserdem magischer Anziehungspunkt für alle anderen hier lebenden Menschen unter 30 Jahre. So auch die gesamte Crew vom Face Adrenalin, die uns daher an diesem Tag zum zweiten Mal über den Weg liefen… Es wurde ein ausgesprochen lustiger Abend: Kate und Jess nahmen (relativ) erfolglos beim Beer-Pong teil (Bier-Tischtennis). Ich sage relativ, weil wenigstens für 2 Euro der Pegel stimmte nach nur einer Stunde:) Was das Kickern und Pool spielen irgendwie viel lustiger machte… Zu später Stunde kam irgendwie auch noch blaue Farbe mit ins Spiel, die dazu führte, dass einer der Jungs vom Bungee als Schlumpf endete. Entkleidet bis auf die Unterhose und dann von Kopf bis Fuß mit blauer Farbe beschmiert… Irgenwie landete ein bißchen von der Farbe auch in meinem Gesicht und an meiner Jacke. Als ich am nächsten Morgen aufwachte, musste ich 20 (!) Minuten mein Gesicht schruppen um drei Streifen los zu werden… Auf meiner Jacke entpuppte sich die Farbe allerdings als permanent – habe ich erwähnt, dass der arme Kerl sich bevor er die Bar verließ seine weißen Sachen wieder überstreifte?!

Wir verbrachten noch eine weitere Nacht im Tube’nAxe bevor auch schon die erste Woche rum war und wir das Nature’s Valley hinter uns ließen. Aber dazu ein anderes Mal mehr…

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